Die Zerstörung der Glienicker Brücke 1945

Subject: Glienicker Brücke
Date: Thu, 20 Jul 2000 18:46:33 +0200 (MEST)
From: Hans-Dieter Behrendt <HanDieBe@gmx.de>
To: email@nmichael.de

Herr Nicolas Michael

Ihre Nachricht über die Brücke habe ich dankend erhalten. Ursprünglich wollte ich sofort zu einem Detailproblem das Wort ergreifen, hatte aber technische Probleme, die erst jetzt behoben sind. Nun einige Angaben zur Sprengung der Brücke im Ergebnis meiner Recherche.
Über die Sprengung der Glienicker Brücke gibt es unterschiedliche, widerspruchsvolle, aber auch nichtssagende Aussagen in den Medien und Publikationen. Sicher stand diese Frage in allen Veröffentlichungen nicht in dem Mittelpunkt des jeweiligen Beitrages, war deshalb nicht Gegenstand von Untersuchungen. So gibt es da verschiedene Varianten, wie: "den Kriegsgeschehen zum Opfer gefallen; in den letzten Kriegstagen teilweise zerstört; wurde die Brücke gesprengt; die Brücke wurde durch ein einschlagendes Geschoß zerstört; kurz vor der Kapitulation wurde sie schließlich gesprengt und anderen Darstellungen." Oft gibt es die Behauptung, daß eine Sprengung durch die Russen erfolgte. Dies wird aber auch durch den Publizisten Thomas Blees zurück gewiesen. Er geht dagegen von einer Zerstörung durch die sich nach Wannsee absetzenden Deutschen Wehrmacht, durch zwei Sprengsätze aus. Eine, (dem Autor bekannte) Zeitzeugin wohnte während der Kriegshandlungen in der Nähe der Glienicker Brücke. In dem Haus ihrer Eltern hatte ein deutscher Pionieroffizier Quartier bezogen, welcher das Kommando über das Sprengkommando inne hatte. Selbst die Zeitzeugin geht von der Sprengung der Brücke durch die Deutschen aus. Sicher hatten diese beabsichtigt, beim Rückzug aus Potsdam, die Brücke zu zerstören. Aber das entsprach zu diesem Zeitpunkt wohl nicht der Logik, Kriegslage - und Taktik. Waren es nun gar die Russen? Was hätte denen aber eine zerstörte Brücke bei ihren Kriegszielen genutzt? Eine Unversehrte war für sie wertvoller. Der Angriff der Russen kam aber nun nicht aus Richtung Berlin, wie durch die Wehrmacht angenommen wurde. Letztere mußten sich, wie bereits geschildert, gegen die Angreifer aus dem Stadtinneren verteidigen. Die Absetzbewegung ging deshalb in Richtung Berlin. Dazu hatte ein Flackgeschütz (Kaliber 8,8 cm) am Beginn der Brücke, mit Front nach Potsdam Stellung bezogen. Das Geschützrohr war mit neun weißen Ringen versehen, als Zeichen des Abschusses von neun Flugzeugen. Das Geschütz war gleichfalls für den Erdkampf, auch gegen Panzer hervorragend geeignet. Davon zeugten später auch vier abgeschossene, ausgebrannte Panzer der Russen im Bereich der Neuen Königsstraße. Aus Richtung des Babelsberger Park, wo die Russen bereits operierten, wurden offensichtlich Schüsse in Richtung der Brücke abgegeben. Da ein Treffer derselben möglicherweise nicht beabsichtigt war, könnte es sich nur um verirrte Geschosse gehandelt haben. Es befanden sich zu diesem Zeitpunkt zwei Sturmgeschütze auf der Brücke, die dann im Ergebnis der Explosion den abgesackten Brückenteil herunter rutschten und bis zum Turm im Wasser standen. Waren sie etwa vom Babelsberger Park ausgemacht und als Ziel ausgewählt worden? Traf jeweils ein Schuß die angebrachten Sprengladungen, die sich nun infolge der Explosion und Hitze entzündete? Genau am Standort dieser Sturmgeschütze befand sich der zweite Sprengschnitt. Die Entzündung der anderen Sprengladung, im Bereich des Sprengschnittes vier bis fünf, erfolgte dort, wo das Flackgeschütz stand.

Herzliche Grüße
Hans-Dieter Behrendt

Zurück zur Glienicker Brücke Zurück
Zurück zur Homepage Homepage


Copyright © 1997-06 by Nicolas Michael <kontakt@klosterrudern.de>